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Höchster Kreisblatt: "Weit mehr als nur schöne Töne"

  • JW
  • vor 13 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit
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Frauen und Männer der Germania Sindlingen bringen den Advent gekonnt zum Klingen


Zeilsheim – „Hörst du, was ich höre?“, fragt ein lyrisches Ich sein gegenüber. Die Ohren öffnen will dieses Lied auf den englischsprachigen Text von Noël Regney mit der Musik Gloria Shaynes, nicht weniger die Augen. Genau hinhören, hinschauen, innehalten, sich besinnen auf das Wesentliche – das Adventskonzert des Frauenchors und des Männerchors unter dem gemeinsamen Dach der Germania Sindlingen lud am dritten Sonntag der Vorweihnachtszeit genau dazu ein. Vor der barocken Altar der Zeilsheimer Bartholomäuskirche positionierten sich beide Ensembles zunächst abwechselnd, dann gemeinsam für ihre abwechslungsreichen, vielgestaltigen Vorträge.


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Ernst, tiefgründig die Eröffnung der Herren: „Kyrie Eleison“ klang es innig bittend durch das vollbesetzte Gotteshaus. Diesem „Herr, erbarme dich“ folgte eine Vertonung des 39. Psalms: „Herr, lehre doch mich, daß ein Ende mit mir haben muß.“ Hoffnung, Trost, aber auch Zuversicht solle dieser erste Abschnitt vermitteln, hieß es im einleitenden Moderationstext.


Schöpfung dankbar wertschätzen

Diese Aspekte beleuchteten die Damen in Chorsätzen des 1945 geborenen Komponisten John Rutter. „Gaelic Blesssing“ und „For the Beauty of the Earth“ besangen die Schönheit der Schöpfung, mahnten indes ebenfalls, sie dankbar wertzuschätzen, anstatt ihr zerstörerisch zu Leibe zu rücken.


Frauen- wie Männerstimmen gefielen dank klar verständlicher Worte, ausgewogenem Klangbild und Fülle der Farben. Chefdirigent Michael Kuhn hatte sowohl den seit 1872 bestehenden Männerchor als auch sein etwas mehr als 100 Jahre später ins Leben gerufene Pendant hörbar gut vorbereitet.


Prägte geistliche Literatur den ersten Abschnitt bis hin zu einer Vertonung des "Vater unser" von Albert Hay Malotte, widmeten sich die Chöre im zweiten, längeren Teil populärer weihnachtlicher Musik. Bei Franz Mädlings (Text) und Hermann Sonnet (Musik) „Weihnachtsglocken“ hoben die Tenöre und Bässe weniger den lautmalerischen Charakter hervor als das tiefe, in Klänge gefasste Schweigen, die Sehnsucht nach dem Christfest: „Winternächt'ges Schweigen mächtig hüllet rings die Fluren“.


Unterstützt am Schlagwerk von Maximilian Kuhn boten die Sänger das britische Weihnachtslied schlechthin: „Hark, the Herald Angels Sing“. Die Melodie des im Deutschen als „Hört der Engel hellen Klang“ bekannten Lieds erfand kein Geringerer als Felix Mendelssohn Bartholdy, der sich auf den Inseln nicht zuletzt deswegen großer Beliebtheit erfreut.


Dem fügte sich nahtlos Charles Gounods „Ave Maria“ an. Michael Kuhn begleitete an den Tasten mit dem ersten Präludium aus Bachs „Wohltemperiertem Klavier“. Dafür übernahmen die Soprane und Alte wieder die Führung.


Am Ende singen alle gemeinsam

Stimmungsvoll ließen sie „White Christmas“ Wirklichkeit werden und sangen „Deck the Halls“. Fehlen durfte nicht „Adeste Fideles“, leuchtend hell im Klang, mit merklicher Freude ausgeführt. Das weltberühmte lateinische Weihnachtslied ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt, seine Melodie und Text werden mit verschiedenen Urhebern in Verbindung gebracht.


Zum abschließenden Teil taten sich die jeweils zwei Frauen- und Männerstimmen zusammen. Unter anderem stand Adolphe Adams „Cantique de Noël“ auf dem Programm. Das mehrstrophige Lied entfaltete seine betörende Schönheit, nahm die Zuhörer für sich ein. Heute schwer nachvollziehbar, dass Adams einst von Kirchenoberen kritisiert wurde, die ihm mangelndes religiöses Empfinden vorwarfen. Erfreulich zahlreich zeigten Sindlinger und Zeilsheimer ihre Verbundenheit mit der traditionsreichen Sängergemeinschaft. Den kräftigen Beifall nach den Vortägen hatte sie verdient. Denn sie bereicherten diesen dritten Advent um mehr als nur schöne Töne.


Ulrich Boller, „Weit mehr als nur schöne Töne“, Höchster Kreisblatt, 15.12.2025.

 
 
 

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